Tadschikistan

Yesbol, der Kasache, grinst in die untergehende Sonne. Wir sitzen auf der Ladefläche eines Pickups und geniessen die Kulisse, während sich die Strasse um die Felsen schlängelt. Ein unglaublicher Anblick. Jeder Berg ist anders, manche rostig rot wie die Schiffe am Aralsee, andere granitgrün, grau oder erdig braun. In den obersten Spitzen der erste Schnee.
Fälschlicherweise dachte ich, die tadschikischen Berge würden mich erst nach Duschanbe erwarten. Doch tatsächlich überfallen sie einen schon kurz nach der Grenze, tauchen plötzlich am Horizont auf und verschlucken einen gnadenlos. So ist das wohl in einem Land, das zu mehr als neunzig Prozent aus Bergen besteht.
Masha sitzt mit dem zweiten Kasachen im Auto und beneidet uns wohl um die unbeschnittene Aussicht. Sie hat sich mir in Samarkand angeschlossen, die anderen zwei haben wir unterwegs aufgegabelt. Am türkisblauen Aleksandersee verbringen wir eine kalte Nacht zusammen, trinken um ein Lagerfeuer sitzend selbstgemachten Sliwowitz, den uns ein paar tschechische Abenteurer spendieren und machen uns morgens alle in unterschiedliche Himmelsrichtungen auf.

Ausser der höchsten Fahnenstange der Welt gibt es in Duschanbe wenig zu sehen.
Ich schlafe in einem der wenigen Hostels, wo täglich Reisende mit Fahrrädern, Motorrädern oder gut gerüsteten Autos ihre Abenteuer durchs Pamirgebirge beginnen oder beenden.
Ben, der mir sein Zelt und all seine Campingutensilien für einen guten Preis überlässt, ist gerade angekommen. Im Gegensatz zu allen anderen, die ich hier antreffe, ist er getrampt. Bis auf eine Strecke von hundert Kilometern im Wachan-Tal. Die ist er zu Fuss gegangen.
In der Hostelküche koche ich zum ersten Mal auf meiner Reise mein eigenes Essen und versuche, meinen Magen endlich wieder ganz in den Griff zu bekommen.
In einem grossen Geländewagen alleine durch Tadschikistan zu fahren, scheint nicht gerade die preiswerteste Lösung zu sein, doch genau diese Tour habe ich bereits als grösste Ausgabe meiner Reise eingeplant. Über eine Webseite finde ich Mirkat, der mir seinen grossen, robusten Toyota 4Runner vermietet. Teuer, dafür einigermassen versichert. In Tadschikistan sei zwar schon jedes Auto versichert, was aber nicht bedeute, dass man bei einem Schaden von irgendjemandem Geld bekommen würde, erklärt man mir im Hostel.

Mit saniertem Magen und frischer Abenteuerlust breche ich eines Morgens auf.
Wohl aufgrund des Gipfels, an dem sich heute die Präsidenten der Nachbarländer in Duschanbe treffen, ist jede Tankstelle rund um die Hauptstadt abgesperrt. Noch lange stehen schläfrige Polizisten in kurzen Abständen am Strassenrand, bevor die Kulisse von Stadt auf Land wechselt und das lang ersehnte Abenteuer Pamir-Highway endlich beginnt.
Nach einem kleinen Pass zieht sich die Strasse durch gelbe Hügel, abgegrast und ausgetrocknet, wie Sanddünen. Vorbei an einem Bergsee, mit felsiger Insel in der Mitte. Das Wasser dunkelblau, von einer der fünf höchsten Talsperren der Welt gestaut, während die höchste nur hundert Kilometer flussaufwärts in zwei Monaten eröffnet werden wird.
Über die nächste Anhöhe wird der Highway bereits zu einer Schotterpiste. Ich schone den Toyota. All die einheimischen Klapperkisten überholen mich, von Staubwolken verfolgt. Nach der Anhöhe ist die Strasse wieder asphaltiert, kurvt abwärts durch felsigere Hügel. Spätnachmittags drückt sich eine weite Ebene zwischen die Felsen und im späten Sonnenlicht stellt sich ein Berg am Horizont auf.
Ein Gänsehautmoment. Vor zwei Monaten bin ich in Basel mit meinem Rucksack und verrückten Plänen in den Zug gestiegen, jetzt bin ich mitten in Zentralasien, brettere in einer Riesenkarre über den Pamir-Highway und direkt vor mir liegt Afghanistan.
Am Fusse des Berges fliesst der Grenzfluss Pandsch seines Weges. Die Strasse führt stromaufwärts, frisst sich immer tiefer in den Stein, die Berge rücken näher und näher zusammen, bis sich die afghanischen und die tadschikischen Felswände beinahe küssen. Immer mal wieder ein Checkpoint, wo Papiergeld zwischen Handflächen raschelt. Von mir will man nur die Fahrzeugpapiere.
Die Nacht bricht herein, als mir ein Besitzer eines kleinen Gasthauses erlaubt, auf seinem Parkplatz zu übernachten. Ich koche Teigwaren mit Zwiebeln und Tomaten, lege mich im Toyota einigermassen bequem schlafen.

Die Strasse verschlechtert sich rasch, als ich am nächsten Morgen aufbreche. Stundenlang steuere ich durch das Labyrinth der Schlaglöcher und schüttle jedesmal ehrfürchtig den Kopf, wenn mir einer der vierachsigen Lastwagen mit Anhänger entgegenkommt. Die afghanische Strasse wird dagegen meist nur von Ziegenherden und Motorrädern benutzt. Der Fluss weist den Weg durch Täler und Schluchten. Lange bin ich davon überzeugt, dass die GPS-Daten nicht aktualisiert wurden, doch irgendwann sehe ich ein, dass ich einfach nicht vom Fleck komme. Chorugh, die grösste Stadt am Highway, ist immer noch weit entfernt, als es dämmert.
Nach einem Checkpoint parke ich in einer engen Schlucht neben einer kleinen Ansammlung von Häusern, stelle mein Zelt unter ein paar Bäumen auf und schon stürzt die Nacht von den Felsen.
Im Gasthaus nebenan bekomme ich eine leckere Suppe mit Brot und literweise Grüntee. Der Wirt stellt mir Andrei vor, ein Coiffeur, der sich ohne Geld – und wie es scheint auch ohne Englisch – bis nach Thailand durchschlagen will. Wir kommen schnell auf eine Vereinbarung: Er schneidet mir die Haare, ich nehme ihn morgen mit nach Chorugh.

Im frühen Tageslicht schweift mein Blick über die gegenüberliegende Felswand. Es scheint wie ein Blick in die Vergangenheit. Ein Mann wackelt auf einem Esel die staubige Strasse entlang, die durch den rötlichen Fels schneidet. In der Tiefe tost der Fluss.
Die Sprachbarriere lässt uns schweigen, während ich mit Andrei weitere Stunden unterwegs bin. Einheimische lassen sich gerne ein Stück mitnehmen, danken mit einem ehrlichen Lächeln. In einem kleinen Dorf serviert man uns in einem Garten Tee, den wir zwischen Katzen, Hühnern und mit dicken Früchten behangenen Birnenbäumen trinken. Auch von uns akzeptiert man nur ein Lächeln als Bezahlung.
In Chorugh verabschiede ich mich von Andrei, der auf dem eigentlichen Pamir-Highway Richtung Murghab sein Glück versuchen will, während ich mich Richtung Süden, weiter dem Fluss nach, ins Wachan-Tal aufmache.
Die Strasse wird danach einiges besser, sodass ich es innert knapp drei Stunden nach Ischkaschim schaffe.

/Pamir Highway zwischen Kalaichumb und Chorugh, rechts Afghanistan

Es ist bereits dunkel, als ich am Strassenrand anhalte. Anis, einer der Jungs, die gleich darauf durchs Autofenster spähen, lädt mich sofort zu sich nach Hause ein, wo mir sein Vater kurz darauf mit einem selbstverständlichen Griff in den Kühlschrank, als hätte er mich seit Jahren erwartet, einen Berg gebratenen Reis mit Gemüse auf den Tisch stellt.
Die Nachbarn feiern in ihrem Garten gerade eine Hochzeit, auf der wir schon bald tanzen. Vom Vater des Bräutigams werde ich in ein Zimmer gezerrt, wo eine riesige Männerrunde speist. Einer der Anwesenden – Muhammad – kann sehr gut English. Ich bin froh, zum ersten Mal seit Duschanbe eine anständige Konversation führen zu können. Ich frage ihn, ob es den Markt noch gebe, auf dem Tadschiken und Afghaner sozusagen zwischen der Grenze Handel betreiben können. Doch den hätte es schon seit drei Jahren nicht mehr gegeben, erklärt er, weil die Taliban nur noch fünfunddreissig Kilometer von Sultan-Eschkaschim, dem Dorf auf der afghanischen Seite, entfernt seien.
Anis scheint sich seines Gastes beraubt zu fühlen und entführt mich auf einen Spaziergang durch sein Dorf. Er ist knapp über zwanzig, hat immer ein freches Grinsen zwischen den Zähnen. Seinen Hals ziert eine wüste Narbe, die er sich selbst zugefügt hat, um eine Tätowierung zu verdecken.
«In vier Tagen – Soldat!», erklärt er mir immer wieder seufzend. Für zwei Jahre.
Zuhause lerne ich seine Mutter kennen und seine zwei Schwestern, die mich scheu mustern. Der Vater kramt irgendwo aus einer Schublade ein uraltes Englisch-Tadschik Wörterbuch hervor. Die Mutter bringt ihr zerknittertes Englischheft aus der Schulzeit.
In den Blicken der älteren Schwester erkenne ich erstmals die offenere Rolle der Frau bei den Ismailiten. Sie bereitet mir ein undefinierbares Getränk zu, dass ich dankbar lächelnd hinunterwürge, während ihre grossen, dunklen Augen mich neugierig studieren. Mir gefällt ihr langes, blondes Haar, wie sie da sitzt in einem weiten Pullover und Leggins, ihren Kopf in ihre Handfläche gestützt.
Alle sitzen wir zusammen im kleinen Wohnzimmer vor dem murmelnden Fernseher, oder um den Küchentisch, reden und lachen. Intimer bin ich seit Wochen keinen Frauen begegnet.
Die Toilette findet man zwei Gärten weiter, in einer kleinen gemauerten Hütte voller Dreck, mit zwei Löchern im Boden. Die Armut versteckt sich gut in diesem Dorf. Aber sie ist da und sie ist gross. Fliessendes Wasser scheint es nirgends zu geben.

Dass Afghanistan nur einen Steinwurf entfernt liegt, beweisen wir am nächsten Morgen mit Erfolg, indem wir Steine über den Fluss werfen. Es freut mich, als ich sie auf der anderen Seite aufschlagen sehe. Steine auf ein Land zu werfen ist fast, als wäre man da gewesen.
Das Hochzeitsfest gestern war nur der Anfang. Im Haus des Bräutigams wurde schon mal vorgefeiert, bevor sich die Gemeinschaft heute ins Dorf der Braut aufmacht, um diese nach langer Feierei mit nach Hause zu bringen. Zu diesem Abenteuer wurde ich gestern eingeladen, weshalb ich mich nach dem Abschied von Anis und seiner Familie mit dem Toyota dem hupenden Konvoi anschliesse.
Nach einem kurzen Halt an einem Bach, wo kaum jemand nachvollziehen kann, warum ich keinen Vodka trinken möchte, nur weil ich Auto fahre, kommen wir schliesslich im Dorf an.
Um ein Chaos zu vermeiden, bekommt jeder Gast im Hauseingang eine Plastiktüte, in die er seine Schuhe steckt. Ich male mir aus, wie wohl jemand mal diese Idee hatte, weil nach Hochzeiten immer das halbe Dorf in den falschen Schuhen rumlief.
Alishram und seine Braut sind die Einzigen, die nicht wirklich glücklich aussehen, während die Lieder der Hochzeitsband, die zum grössten Teil aus einem Synthesizer besteht, durch den Raum scheppern und man freundlich zum Tanzen gezwungen wird.
Muhammad, der immer noch für mich übersetzt, erklärt mir die typisch ismailische Architektur des Hauses, während wir uns über Berge von Essen hermachen.
Die Braut ist in bunte Tücher und viel Glitzer gewickelt. Ich sehe ihr Gesicht nie. Erst zurück in Ischkaschim, in Alishrams Garten, darf er sie auswickeln, bevor zum dritten und letzten Mal ordentlich gefeiert wird.

Nach dem Bad in den heissen Quellen von Bibi Fatima spüre ich am nächsten Morgen erstmals den Pamir in den Knochen. Weiter dem Pandsch entlang verschwinden die Bäume, die trockenen Äcker, langsam aber kontinuierlich geht es in die Höhe. Kurz vor der Stelle an der sich der Pandsch in seine Quellflüsse Pamir und Wachan aufspaltet, halte ich am Strassenrand und klettere über riesige Felsklötze auf einen Vorsprung, von dem aus man die beste Aussicht über das nun sehr breit gewordene Tal hat.
Wie ein Adler sitze ich hoch über dem Fluss, der in einem tiefen Blau gemächlich durch weitläufige Sandbänke Richtung Westen strömt.
Südlich, knappe fünfzig Kilometer entfernt, wartet bereits Pakistan. Doch hohe Berge und Landesgrenzen zwingen mich zu einem langen Umweg über Kirgisistan und China.
Direkt vor mir liegt der Wachan-Korridor. Der nordöstlichste, dünne Arm Afghanistans. Einst gedacht als Pufferzone zwischen Russland und dem British-Empire, erfüllt er wohl noch heute einen ähnlichen Zweck.
Afghanistan übernimmt von hier an das Wachan-Tal mit dem gleichnamigen Fluss für sich, während ich dem Pamir, der von hier an die Grenze bildet, folge.
Auf den nächsten Kilometern verschwinden die letzten Anzeichen der Zivilisation, bis nur noch das Auto, die Strasse und ich übrig sind, im reissenden Wind, der über die steinigen Berghänge zieht und graue Staubwolken für sich tanzen lässt.
Der Fluss wird immer kleiner und immer grösser der Gedanke, wie einfach es wäre, durch das manchmal nur knöchelhohe Wasser zu waten, um nur einen Augenblick auf afghanischem Boden gestanden zu haben. Doch die Grenze zwischen zwei Staaten wird zu einer Grenze in mir selbst, zur roten Linie meiner Abenteuer.
An der Stelle, wo die Strasse schliesslich auch den Fluss und die Grenze verlässt, entdecke ich eine kleine Lehmhütte auf der anderen Seite. Rauch steigt aus dem Kamin, Stimmen weniger Personen wehen herüber. Einige Pferde suchen nach etwas Essbarem unter ihren Hufen. Mein letzter Blick in die weit entfernte Vergangenheit, die sich hier vor der Zukunft und vor dem Krieg gut zu verstecken scheint. Eingeklemmt zwischen den nördlichsten Berghängen des afghanischen Wachan-Korridors und Tadschikistan.

/Mitten im tadschikischen Wachan-Tal, links Afghanistan

Obwohl bereits das Wachan-Tal auf bis zu dreitausend Metern Höhe lag, klettert die Strasse nun steil nach oben ins Pamirgebirge. Mit jedem Höhenmeter und jeder Minute, die vergeht, fühle ich mich schlechter. Nachdem ich über den 4340 Meter hohen Khargush-Pass auf das Hochplateau des Pamirs gelange, ist es bereits dunkel, als ich nach meinem Abstecher ins Wachan-Tal wieder auf die M41, den eigentlichen Pamir-Highway, treffe. Seit Tagen fahre ich zum ersten Mal auf einer geteerten Strasse, von der ich auch gleich wieder Richtung Bulunkul-See abbiege, wo ich einen Unterschlupf für die Nacht finde. Der Gastgeber stellt mir zum Abendessen einen Teller voll Fleisch hin und heizt den Ofen ein, bis ich fast ersticke. Die ganze Nacht kämpfe ich mit meinen wirren Träumen und meinem Schlaf. Es erinnert mich an meine Fieberträume als Kind.

Morgens trete ich in die strahlende Sonne, finde mich in einem kleinen Nest von weissen Hütten wieder. Mitten in der Einöde, auf dem Hochplateau des Pamirs. Wo man auch hinblickt, ist nichts. Kein Strauch, kein Blumentopf vor dem Haus, keine Strasse, kein Laden, die viereckigen Häuser stehen einfach da, wie Container, als hätte sie jemand hier vergessen, auf über 3700 Höhenmetern. Obwohl er mir mein Abenteuer gewährt hat, scheint der Pamir nun doch noch klarstellen zu wollen, wer hier der Chef ist.

Schlapp und mit pochenden Schläfen fahre ich nachmittags Richtung Murghab. Hier oben fühlt man sich wie auf dem Mond, keine Menschenseele weit und breit. Im Wachan-Tal wimmelte es geradezu von Menschen, wenn man es hiermit vergleicht. Schade nur, dass ich die Mondlandschaft nicht mehr wirklich geniessen kann.
In der Dämmerung halte ich schliesslich vor der letzten Schranke vor Murghab, als das Benzinlämpchen zu leuchten anfängt. Ich lasse mich registrieren von einem weiteren Soldaten, der mir leid tut, wenn ich mir seine ärmliche Hütte anschaue, in der er zu wohnen scheint.
Jetzt wäre ich gerne bereit, viel Geld für ein anständiges Hotel auszugeben. Doch auch Murghab besteht mehr oder weniger aus weissen, viereckigen Häusern, ohne jeglichen Komfort.
Das Hotel, in dem ich mich mit Mirkat für die Übergabe des Autos treffen wollte, sei schon lange geschlossen, erklärt man mir im kleinen Laden nebenan. Ein alter Mann, der sich gerade eine Flasche Vodka kauft, fordert mich auf, ihm nachzufahren, da er wisse, wo ich für fünf Dollar schlafen könne.
Kurz darauf sitze ich in einer warmen Stube und esse unglaublich leckere Kartoffeln, während ich mich frage, wer hier wohnt und wer Gast ist.
Mein Bett befindet sich dann leider doch ausserhalb der wohlig warmen Stube, wo ich mich unter zwei dicken Decken verkrieche und den Morgen abwarte.

Beim Frühstück zeigt mein Mitbewohner immer wieder auf seinen Kopf und sagt fragend: «Bumm, bumm?» Ja, meine Schläfen pochen, aber es ist nicht nur die Höhe alleine. Es ist die Einöde, die Kälte, die trockene Luft und das konstante Unterwegssein. Seit zwei Monaten lebe ich aus meinem Rucksack und es kommt nur selten vor, dass ich morgens weiss, wo ich abends schlafen werde.
Glücklicherweise ist Mirkat schon in Murghab angekommen, obwohl wir uns erst morgen zur Übergabe des Autos verabredet hatten.
Ich hatte mein Abenteuer und überlasse dem Pamir nun gerne kampflos den Sieg. Falls irgendwie möglich will ich noch heute nach Kirgisistan, da ich bezweifle, dass sich mein Zustand in dieser Höhe bald bessert.

/Fussballfeld auf 3600 Metern, Murghab auf dem Pamir-Hochplateau

Tatsächlich finde ich mit Mirkat einen Fahrer, der froh ist, auf der Fahrt mit seinen Eltern, die er nach Osh bringt, noch etwas Geld zu verdienen.
So holpern wir schon bald weiter über die Mondoberfläche, überqueren den höchsten Pass Tadschikistans, wo auf 4655 Höhenmetern ein blaues Schild den höchsten Punkt des Pamir-Highways kennzeichnet. An der kirgisischen Grenze warten wir in eisiger Kälte, bis wir für die Passkontrolle drankommen. Ich lerne auf dieser Fahrt, dass alles erträglicher ist, wenn man sich ausmalt, was noch schlimmer wäre. Was, wenn das Auto plötzlich streikt, mitten in der Nacht? Was, wenn wir einen Unfall bauen?
Also sitze ich einfach da, fühle mich beschissen und jedesmal, wenn mich der Fahrer anspricht, erwarte ich sehnsüchtig das Ende der Konversation.
Mitten in der Nacht krieche ich dann endlich in Osh in ein bequemes Hotelbett.
Ich bin total am Ende, was für die Erlebnisse der letzten Tage ein Preis ist, mit dem ich gut leben kann.